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Schon ab 150.000 Dollar können Sie sich Ihr Pferd klonen lassen. Das ist kein Witz, sondern eine Geschäftsidee. In den USA gingen letztes Jahr „Smart-Little Lena“-Klone in Serienproduktion. Wissenschaftler und Züchter wollen durch das Klonen die Erbanlagen legendärer Champions sichern – und viel Geld verdienen.

Elaine Hall ist sich sicher: „Gott hat dem Menschen die Herrschaft über Tiere gegeben. Und er hat uns mit hoch entwickelten Technologien gesegnet, damit wir das Klonen vorantreiben“. Elaine Hall ist weder Biochemikerin noch Oberhaupt einer New-Age-Sekte, sondern eine bekannte Quarter Horse-Züchterin. Vor zwei Jahren ließ sie ihre 26-jährige Wunderstute Royal Blue Boon klonen. Zwischen 1983 und 1987 gewann Royal Blue Boon 381.764 Dollar im Cutting. 16 ihrer 18 Fohlen wurden Performer, die rund 2,5 Millionen Dollar Preisgelder heim brachten.

Jetzt ist die sogenannte „First Lady des Cutting“ unfruchtbar. Kein Problem für Elaine Hall, denn „Royal Blue Boon Too“ wird in absehbarer Zeit neue Fohlen bekommen. „Too“ sieht genauso aus wie ihre Erbgut-Spenderin, trägt deren auffällige Blue Roan-Farbe und hat auch ihren Cowsense. Eine Arena wird „Too“ aber wahrscheinlich nie zu sehen bekommen, denn sie soll nur zur Zucht eingesetzt werden. Indem Klonen nun als Dienstleistung angeboten wird, ist diese neue, heiß diskutierte Sparte der Reproduktion den wissenschaftlichen Kinderschuhen und der Grundlagenforschung entwachsen. Tatsächlich gibt es bereits eine größere Anzahl an kommerziell geklonten Pferden.

Den Anfang machte im Jahr 2005 der Vollblutaraber „Pieraz-Cryozootech-Stallion“, eine Kopie des legendären mehrfachen Distanz- Weltmeisters und Wallachs Pieraz. Kurz darauf wurde ein Klon des Topvererbers Quidam de Revel mit dem Namen Paris-Texas geboren. In vergangenem Jahr kam unter anderen ein Klon der Stute Poetin 2, die Weltmeistertitel in der Dressur erlangte, auf die Welt.



 

In den letzten zwei Jahren hat auch in Amerika ein regelrechter Boom eingesetzt, was das Klonen von Pferden angeht. Auch die Westernpferdezucht ist betroffen. Zwei Wochen nach der Geburt von Royal Blue Boon Too kam ein Klon der Quarter Horse-Stute Tap O Lena, die mehr als 500.000 Dollar in ihrer Showkarriere gewonnen hat und deren fünf Nachkommen im Durchschnitt knapp 62.000 Dollar verdienten, auf die Welt. Ihnen folgten genetische Zwillinge vom legendären Barrel Race-Horse Scamper und der Cutting-Stute Lynx Melody. .

Zwischen dem 12. Februar und 13. März 2006 erblickten in Texas gar fünf Klone von Smart Little Lena das Licht der Welt. Der Original-Hengst selbst deckt noch auf der Tommy Manion-Ranch – diese Pfl icht könnten in naher Zukunft seine Klone übernehmen. Das Genmaterial ist eine 100%ige genetische Kopie und würde bei einer DNA-Analyse nicht vom „echten“ Smart Little Lena zu unterscheiden sein. Auch die väterlichen Erbanlagen der Nachkommen dieses Hengstes und seiner Klone wären nicht auseinanderzuhalten. Trotz völlig identischer Erbinformationen sind geklonte Lebewesen dennoch Individuen, die sich von ihrem genetischen Zwilling unterscheiden. Zwingend gleich ist das Geschlecht. .

Die äußere Erscheinung kann jedoch – ähnlich wie bei Zwillingen – auch bei Klonen voneinander abweichen. Das liegt an der nicht immer gleich verlaufenden embryonalen Entwicklung der Zellen, die nicht nur vom genetischen Material abhängig ist, sondern auch von den Bedingungen, die im Uterus herrschen..

Doch nicht nur äußerlich kann sich ein Klon von dem genetischen Original unterscheiden. Jedes Fohlen entwickelt eine völlig eigenständige Persönlichkeit, die sich unter Umständen stark von der seines „Vorbildes“ unterscheidet. Dafür verantwortlich sind verschiedenste Umwelteinfl üsse, die Sozialisation und Entwicklung der Pferdepersönlichkeit beeinfl ussen – es ist also ein Trugschluss, dass sich ein Klon seinem Original in allen Belangen vollends ähnelt. .

Klonen aus Liebe und Zuneigung zu seinem geliebten Tier oder ähnlichen sentimentalen Gründen ist deshalb theoretisch zwar nicht verboten, aber nicht nur unter ethischen Aspekten höchst fragwürdig. Bisher gibt es kaum Erfahrungen, wie sich geklonte Pferde weitervererben. Im Jahr 2007 deckte erstmals der geklonte Pieraz-Cryozootech- Stallion – seine Nachzucht wird dieses Jahr erwartet. Im nächsten Jahr soll ein Dreijähriger mit dem vielversprechenden Namen „E.T. Cryozootech- Stallion“ in Deckeinsatz gehen. Dabei handelt es sich um den genetischen Zwilling von Hugo Simons verstorbenem Wallach E.T., dem erfolgreichsten Springpferd der Welt. Er wurde für 250.000 Euro von der französischen Firma Cryozootech geklont, doch kein deutsches Stutbuch wollte ihn haben. Am Ende nahm ihn das belgische Zangersheide Stud book auf..

Ähnlich ergeht es den Quarter-Horse-Klonen in den USA. Weder die AQHA noch die APHA oder ein anderer Rasseverband will die genetischen Kopien ihrer Champions ins Register aufnehmen, genauso wie der Jockey Club, der das Zuchtbuch für Vollblüter in Nordamerika verwaltet und bisher noch nicht einmal Fohlen aus Frisch- und Gefrierspermabesamung anerkennt. Lediglich die NCHA will geklonte Pferde in ihren Wettbewerben erlauben..

Ihre Züchter und Erzeuger fordern indes, die Smart Little-Lena-Klone mit der AQHA-Nummer ihres „Spenders“ einzutragen und pro Klon einen Zusatz (a bis e) anzuhängen..

In Deutschland beginnt man, sich langsam Gedanken über den Klon-Pferde zu machen. Neue Zucht-, Körungs- und Prüfungsordnungen müssten für Klonpferde beschlossen werden, sagt FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Hinzu kommt die Frage der Sicherheit: Wenn ein Hautfetzen ausreicht, um per Klonverfahren einen zweiten vermeintlichen Goldesel herzustellen, könnte im Tierzellendiebstahl ein neuer illegaler Markt entstehen..

Befürworter des Klonens vertreten dagegen die Auffassung, dass die neue Reproduktionstechnik den züchterischen Genpool erweitert, anstatt verkleinert, wie Kritiker entgegensetzen. Elaine Hall betont, dass zwischen Royal Blue Boon und ihrer genetischen Kopie 26 Jahre liegen. „Royal Blue Boon Too wird mit verschiedenen Hengsten angepaart werden, deren Blutlinien neu und modern sind. Royal Blue Boons verlängerte Fortpfl anzung wird sich daher als Outcross beweisen.“ Dieser Meinung stimmt auch Reproduktions-Spezialist und Doktor der Veterinärmedizin Brad Stroud zu. Er sieht sowohl die Möglichkeit der Erweiterung der genetischen Vielfalt, als auch die Chance für die Bewahrung bestimmter Blutlinien. „Alte Stuten und Hengste geben sozusagen neues Blut in die moderne Zucht und erweitern damit den Genpool, wenn man so will“. .

Die größte Ablehnung erfährt das Klonen aus ethischen Gründen. Bereits das erste Klonpferd der Welt wurde in der Öffentlichkeit mit großer Skepsis betrachtet, zahlreiche Tierliebhaber waren empört. 2003 reproduzierte ein italienischer Wissenschaftler die Hafl ingerstute Prometea mit sich selbst. Sie trug also ihre eigene Zwillingsschwester aus..

Bis heute funktioniert so etwas nicht auf Anhieb, und viele Frage- und Problemstellungen sind noch nicht gelöst. Im Fall von Prometea wurden 844 Embryonen hergestellt, nur 22 entwickelten sich weiter. Damit wurden bei der Stute vier Schwangerschaften erreicht, doch nur eine wurde ausgetragen..

Im Fall der Smart Little Lena-Klone wurde neun Stuten erfolgreich ein Embryo transferiert. Eine Stute hatte nach 200 Tagen einen Abort, ein Fohlen wurde tot geboren, eines starb zwei Tage nach der Geburt und ein Fohlen musste krankheitsbedingt eingeschläfert werden. Auch die Klone von Bet Yer Blue Boons und Laney Doc sind nicht mehr am Leben. Alle verstarben kurz nach ihrer Geburt oder waren nicht lebensfähig..

„Es gibt zwar Schwierigkeiten, wenn Klontiere zur Welt kommen“, gibt Prometea-Schöpfer Cesare Galli zu. „Aber wenn sich die Klone dann selbst fortpfl anzten, verläuft die Trächtigkeit normal und die Nachkommen sind gesund.“ Das weiß er von anderen Wirbeltieren, die bereits geklont wurden. Der bekannteste Fall eines Klontieres war das Schaf „Dolly“. Nach seinem frühen Tod im Alter von sechs Jahren wurde gemunkelt, das Erbgut von Klonen ähnle dem alter Tiere. Die Wissenschaft streitet das ab und verweist auf weitere Dolly-Klone, die nach wie vor gesund sind. Vermutet wird jedoch, dass Klon-Fohlen häufi ger als Normalgeborene am so genannten Large Offspring-Syndrome leiden. Sie kommen abnormal groß zur Welt und sterben oft innerhalb weniger Tage..

In diesem Jahr planen die US-Firmen ViaGen Inc und Encore Genetics, um die 20 weitere Pferde zu klonen.

Quelle:
Regina Käsmayr und Anne Wirwahn für westernreiter (EWU)


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z.B. Petra Roth-Leckebusch für den Bereich Zucht.
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Quellewesternreiter

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