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In den letzten zwei Jahren hat auch in Amerika
ein regelrechter Boom eingesetzt, was das Klonen
von Pferden angeht. Auch die Westernpferdezucht
ist betroffen. Zwei Wochen nach der
Geburt von Royal Blue Boon Too kam ein Klon
der Quarter Horse-Stute Tap O Lena, die mehr
als 500.000 Dollar in ihrer Showkarriere gewonnen
hat und deren fünf Nachkommen im Durchschnitt
knapp 62.000 Dollar verdienten, auf die
Welt. Ihnen folgten genetische Zwillinge vom
legendären Barrel Race-Horse Scamper und der
Cutting-Stute Lynx Melody.
.
Zwischen dem 12.
Februar und 13. März 2006 erblickten in Texas
gar fünf Klone von Smart Little Lena das Licht
der Welt. Der Original-Hengst selbst deckt noch
auf der Tommy Manion-Ranch – diese Pfl icht
könnten in naher Zukunft seine Klone übernehmen.
Das Genmaterial ist eine 100%ige genetische
Kopie und würde bei einer DNA-Analyse
nicht vom „echten“ Smart Little Lena zu unterscheiden
sein. Auch die väterlichen Erbanlagen
der Nachkommen dieses Hengstes und seiner
Klone wären nicht auseinanderzuhalten.
Trotz völlig identischer Erbinformationen sind
geklonte Lebewesen dennoch Individuen,
die sich von ihrem genetischen Zwilling unterscheiden.
Zwingend gleich ist das
Geschlecht.
.
Die äußere Erscheinung kann jedoch – ähnlich
wie bei Zwillingen – auch bei Klonen voneinander
abweichen. Das liegt an der nicht immer
gleich verlaufenden embryonalen Entwicklung
der Zellen, die nicht nur vom genetischen Material
abhängig ist, sondern auch von den Bedingungen,
die im Uterus herrschen..
Doch nicht nur äußerlich kann sich ein Klon von
dem genetischen Original unterscheiden. Jedes
Fohlen entwickelt eine völlig eigenständige
Persönlichkeit, die sich unter Umständen stark
von der seines „Vorbildes“ unterscheidet. Dafür
verantwortlich sind verschiedenste Umwelteinfl
üsse, die Sozialisation und Entwicklung der
Pferdepersönlichkeit beeinfl ussen – es ist also
ein Trugschluss, dass sich ein Klon seinem Original
in allen Belangen vollends ähnelt.
.
Klonen
aus Liebe und Zuneigung zu seinem geliebten
Tier oder ähnlichen sentimentalen Gründen ist
deshalb theoretisch zwar nicht verboten, aber
nicht nur unter ethischen Aspekten höchst fragwürdig.
Bisher gibt es kaum Erfahrungen, wie sich geklonte
Pferde weitervererben. Im Jahr 2007
deckte erstmals der geklonte Pieraz-Cryozootech-
Stallion – seine Nachzucht wird dieses Jahr
erwartet. Im nächsten Jahr soll ein Dreijähriger
mit dem vielversprechenden Namen „E.T. Cryozootech-
Stallion“ in Deckeinsatz gehen. Dabei
handelt es sich um den genetischen Zwilling
von Hugo Simons verstorbenem Wallach E.T.,
dem erfolgreichsten Springpferd der Welt. Er
wurde für 250.000 Euro von der französischen
Firma Cryozootech geklont, doch kein deutsches
Stutbuch wollte ihn haben. Am Ende nahm ihn
das belgische Zangersheide Stud book auf..
Ähnlich ergeht es den Quarter-Horse-Klonen in
den USA. Weder die AQHA noch die APHA oder
ein anderer Rasseverband will die genetischen
Kopien ihrer Champions ins Register aufnehmen,
genauso wie der Jockey Club, der das
Zuchtbuch für Vollblüter in Nordamerika verwaltet
und bisher noch nicht einmal Fohlen aus
Frisch- und Gefrierspermabesamung anerkennt.
Lediglich die NCHA will geklonte Pferde in ihren
Wettbewerben erlauben..
Ihre Züchter und Erzeuger fordern indes, die
Smart Little-Lena-Klone mit der AQHA-Nummer
ihres „Spenders“ einzutragen und pro Klon einen
Zusatz (a bis e) anzuhängen..
In Deutschland beginnt man, sich langsam Gedanken
über den Klon-Pferde zu machen. Neue
Zucht-, Körungs- und Prüfungsordnungen müssten
für Klonpferde beschlossen werden, sagt
FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau. Hinzu
kommt die Frage der Sicherheit: Wenn ein Hautfetzen
ausreicht, um per Klonverfahren einen
zweiten vermeintlichen Goldesel herzustellen,
könnte im Tierzellendiebstahl ein neuer illegaler
Markt entstehen..
Befürworter des Klonens vertreten dagegen die
Auffassung, dass die neue Reproduktionstechnik
den züchterischen Genpool erweitert, anstatt
verkleinert, wie Kritiker entgegensetzen.
Elaine Hall betont, dass zwischen Royal Blue
Boon und ihrer genetischen Kopie 26 Jahre liegen.
„Royal Blue Boon Too wird mit verschiedenen
Hengsten angepaart werden, deren Blutlinien
neu und modern sind. Royal Blue Boons
verlängerte Fortpfl anzung wird sich daher als
Outcross beweisen.“ Dieser Meinung stimmt
auch Reproduktions-Spezialist und Doktor der
Veterinärmedizin Brad Stroud zu. Er sieht sowohl
die Möglichkeit der Erweiterung der genetischen
Vielfalt, als auch die Chance für die
Bewahrung bestimmter Blutlinien. „Alte Stuten
und Hengste geben sozusagen neues Blut in die
moderne Zucht und erweitern damit den Genpool,
wenn man so will“.
.
Die größte Ablehnung erfährt das Klonen aus
ethischen Gründen. Bereits das erste Klonpferd
der Welt wurde in der Öffentlichkeit mit großer
Skepsis betrachtet, zahlreiche Tierliebhaber waren
empört. 2003 reproduzierte ein italienischer
Wissenschaftler die Hafl ingerstute Prometea
mit sich selbst. Sie trug also ihre eigene Zwillingsschwester
aus..
Bis heute funktioniert so etwas nicht auf Anhieb,
und viele Frage- und Problemstellungen
sind noch nicht gelöst. Im Fall von Prometea
wurden 844 Embryonen hergestellt, nur 22
entwickelten sich weiter. Damit wurden bei der
Stute vier Schwangerschaften erreicht, doch nur
eine wurde ausgetragen..
Im Fall der Smart Little Lena-Klone wurde neun
Stuten erfolgreich ein Embryo transferiert. Eine
Stute hatte nach 200 Tagen einen Abort, ein
Fohlen wurde tot geboren, eines starb zwei Tage
nach der Geburt und ein Fohlen musste krankheitsbedingt
eingeschläfert werden. Auch die
Klone von Bet Yer Blue Boons und Laney Doc
sind nicht mehr am Leben. Alle verstarben kurz
nach ihrer Geburt oder waren nicht lebensfähig..
„Es gibt zwar Schwierigkeiten, wenn Klontiere
zur Welt kommen“, gibt Prometea-Schöpfer Cesare
Galli zu. „Aber wenn sich die Klone dann
selbst fortpfl anzten, verläuft die Trächtigkeit
normal und die Nachkommen sind gesund.“
Das weiß er von anderen Wirbeltieren, die bereits
geklont wurden. Der bekannteste Fall eines
Klontieres war das Schaf „Dolly“. Nach seinem
frühen Tod im Alter von sechs Jahren wurde
gemunkelt, das Erbgut von Klonen ähnle dem
alter Tiere. Die Wissenschaft streitet das ab und
verweist auf weitere Dolly-Klone, die nach wie
vor gesund sind. Vermutet wird jedoch, dass
Klon-Fohlen häufi ger als Normalgeborene am
so genannten Large Offspring-Syndrome leiden.
Sie kommen abnormal groß zur Welt und sterben
oft innerhalb weniger Tage..
In diesem Jahr planen die US-Firmen ViaGen Inc
und Encore Genetics, um die 20 weitere Pferde
zu klonen.
Quelle:
Regina Käsmayr und Anne Wirwahn für westernreiter (EWU)
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