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Osteopathie – Auch der Rücken soll entzücken!
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Das Glück der Erde liegt sprichwörtlich auf dem Rücken der Pferde. Es muss sehr schwer sein, denn fast jedes dritte Pferd hat Kreuzschmerzen. Neben korrektem Reiten kann die Pferde-Osteopathie dabei helfen, Problemen zwischen Widerrist und Schweifrübe vorzubeugen oder sie zu beseitigen.

„Ein bisschen eigen“, war der 14-jährige Friesen- Island Mix Tequila immer schon. Seine Besitzerin Doris Pütz schob das allerdings auf die ungewöhnliche Abstammung. Als jedoch der Sattelzwang immer schlimmer wurde und die Widersetzlichkeit beim Reiten in Steigen ausartete, keimte bei Pütz der Gedanke auf, dass Tequila vielleicht ein körperliches Problem hatte. Eine Osteopathin brachte schließlich Licht ins Dunkel: „Sie erklärte mir, dass Tequila durch das jahrelange Dahinlatschen im Gelände und durch seinen unpassenden Sattel ein Rückenproblem hätte“, erzählt die Besitzerin. Die Folgen waren weitreichend. „Ich musste von heute auf morgen meinen ganzen Reitstil ändern. Zum Glück fand ich eine gute Reitlehrerin, die mir erklärte, wie man ein Pferd sauber vorwärts-abwärts reitet. Und ein neuer Sattel musste natürlich auch her.“

Eine Studie der Chirurgischen Tierklinik der Universität München in den Jahren 1995 bis 2000 zeigte, dass knapp 30 Prozent aller untersuchten Pferde an Rückenerkrankungen litten. Hauptursache war das Kissing Spine Syndrom, bei dem sich zwei oder mehrere Dornfortsätze der Wirbelsäule berühren. In den meisten Fällen sind solche Probleme vom Reiter selbst verschuldet. Zwar wurden krankhafte Veränderungen an der Wirbelsäule auch bei fossilen Überresten von Urpferden gefunden, jedoch in wesentlich geringerem Maße.

 

 

Das moderne Pferd trägt Sattel und Reiter und wird auch von schlechten Reitern gern zu Höchstleistungen angetrieben. Selbst im großen Sport befolgt nicht jeder die Skala der Ausbildung. „Wird ein Pferd beispielsweise zu eng gemacht und hinter die Senkrechte geritten, so kann es den Hals nicht tragen und verspannt refl ektorisch die Rückenmuskulatur“, weiß Beatrix Schulte Wien, Leiterin des Deutschen Instituts für Pferdeosteopathie (DIPO) in Dülmen. Freizeit- und Distanzpferde haben andere Probleme: „Sie hängen meist auf der Vorhand und bekommen deshalb Probleme an den Vorderbeinen.“ Oder wie im Fall des Friesen-Island-Wallachs Tequila ein Rückenproblem weil sie beim Reiten ständig den Kopf nach oben reißen. Solche „Sternengucker“-Pferde haben keinerlei Spannung zwischen Genick, Rücken und Schweifrübe. Das tragende Nacken-Rückenband hängt durch wie eine ausgeleierte Wäscheleine (siehe Grafi k unten). Dr. Anton Fürst von der Pferdeklinik der Universität Zürich bezeichnet die erwünschte Spannung mit dem medizinischen Fachausdruck „Obere Verspannung“. Fürst: „Diese obere Verspannung kann aktiviert werden, indem der Kopf und Hals nach vorne und unten sowie die Hintergliedmassen möglichst weit nach vorne unter das Gewicht des Körpers gebracht werden.“ Im Reiterlatein heißt das vorwärts-abwärts.

„Durch korrekte Anlehnung nimmt der Pferderücken eine fl itzebogenähnliche Form an. Dabei dehnen sich die langen Rückenmuskeln und die Bauchmuskeln ziehen sich zusammen“, sagt Beatrix Schulte Wien, die selbst aktive Dressurreiterin ist. In dieser Haltung werden die Dornfortsätze der Wirbelsäule wie ein Fächer aufgewölbt. Kissing Spines können so kaum entstehen. Ist das Pferd zudem losgelassen, so wird sein Rücken nun weich schwingen, die Hinterhand tritt unter und die Bauchmuskulatur arbeitet – das Pferd geht über den Rücken. „Nur so kommt der Reiter zum Sitzen und das Pferd kann ihn ohne Schaden tragen“, erklärt Schulte Wien.

Die Physiotherapeutin und Osteopathin empfeihlt jedem zukünftigen Pferdebesitzer, sein Pferd vor dem Kauf – oder vor dem Anreiten – von einem guten Osteopathen durchchecken zu lassen. So bekommt man ein genaues Bild von den etwaigen vorhandenen Blockierungen und Verspannungen und kann dagegen angehen ohne einen jahrelangen reiterlichen Kampf gegen ein unwilliges, schmerzgeplagtes Pferd zu führen.

„Wenn dann auch noch der Sattel passt, die Hufe korrekt bearbeitet wurden, die Zähne durchgecheckt sind, wenn mein Reitlehrer sein Handwerk versteht und ich die richtigen Hilfen gebe, dürfte ich eigentlich keine Probleme mehr haben“, meint Schulte Wien. Leider ist diese Liste bei den meisten Pferd-Reiterkombinationen mehr ein Soll-, denn ein Ist-Wert. Insbesondere der Sattel sei ein Hauptfaktor für Rückenprobleme. Neben unpassenden Sätteln hat Beatrix Schulte Wien schlechte Erfahrungen mit Westernsätteln gemacht. Diese seien häufi g vorne an der Kammer extrem unfl exibel und setzen den Reiter zu weit hinter den Schwerpunkt. Einige von ihr therapierte Quarter Horses werden daher nun im Training mit einem Vielseitigkeitssattel geritten und nur im Turnier mit Westernsattel.

Doch wie kann nun der Osteopath helfen wenn bereits Blockierungen und Verspannungen vorliegen? „Der Osteotherapeut, wie wir diesen Beruf nennen, kann helfen, die Bewegungsqualität des Pferdes wiederherzustellen, indem er alle klemmenden Strukturen wie Muskeln, Gelenke, Sehnen, Bindegewebe oder Narben bearbeitet“, sagt Schulte Wien. „Was er jedoch nicht kann, ist eine Knochenfraktur heilen oder ein ausgerenktes Gelenk wieder einrenken. So etwas ist bestenfalls eine Aufgabe für den Chirurg oder andernfalls für den Schlachter.“

Ein guter Osteopath findet alle blockierten Stellen am Pferdekörper und bearbeitet sie durch verschiedene Maßnahmen. Das sind einmal so genannte Manipulationen, die das Gelenk wieder in die richtige Position bringen. Dabei versetzt der Osteopath dem betroffenen Gelenk einen kurzen, gezielten Stoß („Thrust“) mit hoher Geschwindigkeit und kurzer Amplitude. Während dieser Prozedur steht er nahe am Pferd und benötigt keine Hilfsmittel. „Wenn ein Osteopath mit Gummihämmern auf das Pferd einschlägt oder ihm ins Genick springt, sollten Sie die Finger von ihm lassen“, warnt Schulte Wien.

Eine weitere Maßnahme ist die „Mobilisation“, eine weiche Technik, die auch über Muskelstimulation funktioniert. Dabei werden durch den Einsatz von Fingern oder Holzstäbchen Eigenrefl exe ausgelöst, die über Hautnerven aufs Rückenmark wirken und von dort umgeschaltet werden auf die Muskulatur. Einige dieser Mobilisations- Techniken können ganz leicht auch vom Pferdebesitzer selbst ausgeführt werden und sind eine wertvolle Vorbeugungsmaßnahme gegen Rückenprobleme (siehe Kasten). Ähnlich für den Laien nachvollziehbar sind Dehnungsübungen, die die Streck- und Beugemuskulatur der Beine lockern.

„Deep friction“ – tiefe Friktion – nennt sich eine weitere Maßnahme des Osteopathen. Dabei massiert der Therapeut einen Muskel beziehungsweise seine Sehne sehr tief bis auf die Knochenhaut. Daneben bildet das DIPO seine Osteotherapeuten auch in der kraniosakralen Therapie aus, die auf der Bewegung der Hirnhäute, die das Rückenmark umgeben, basiert.

Das DIPO bietet die Ausbildung zum Osteotherapeuten nur für Ärzte, Tierärzte und Physiotherapeuten an. Wer nicht in diese Gruppe fällt, kann sich aber zumindest zum Pferdephysiotherapeuten ausbilden lassen. Die Pferdephysiotherapie beeinhaltet keine Manipulation und keine kraniosakrale Therapie, ähnelt aber ansonsten der Osteotherapeuten-Ausbildung. Ein Kurs mit dem Lehrgangsziel „Pferdephysiotherapeut“ dauert 210 Stunden plus Prüfung und fi ndet an acht Wochenenden (je 220 Euro) und einer Woche (700 Euro) statt. Ausbildungsstätten gibt es in Dülmen, Neubulach und Berlin.

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Fragen? Eva Witthaut ist wittelsbuerger.com-Experte
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QuelleRegina Buckreus-Käsmayr, für EWU westernreiter

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